Buch-Blind Dates

„Warten auf Wind“

Das erste Buch der April-Blind Dates ist gelesen! Imke Fischbeck, verantwortlich für die Schulbibliothek des Werner-von-Siemens-Gmynasiums in Berlin-Zehlendorf, hat „Warten auf Wind“ von Oskar Kroon aus dem geheimen Umschlag gezogen. Ihr Fazit: Empfehlenswert! Nun sind die Schüler*innen dran, sich eine Meinung zu bilden, das Buch wird in der Bibliothek bereits gezirkelt.

Vinga, die Ich -Erzählerin, nimmt von der ersten Seite an kein Blatt vor den Mund und das klingt so: „Kurz sieht es so aus, als würde sie gleich wieder weinen, worauf ich jetzt echt keinen Nerv habe.“ Mit ihrer unsentimentalen und zugleich sehr feinfühligen Stimme, hat sie mich von Anfang an gefesselt und durch einen sehr besonderen Sommer voller Wendepunkte und neuer Erkenntnisse mitgenommen.

Vinga liebt das Leben auf der Insel mit ihrem Opa, der genauso wortkarg ist wie sie selbst und dem sie nichts erklären muss. Seit ihr Vater zu Hause ausgezogen ist, hat sie das Gefühl, „eine Art Quastenflosser“ zu sein – ein aus der Zeit gefallenes Wesen. Und das stimmt, denn anders als die gleichaltrige Rut, der sie auf der Insel begegnet, vermisst Vinga weder Internet noch Handy, wenn sie Tag für Tag unter Anleitung ihres Opas weiter daran arbeitet, ein altes Boot wieder seetüchtig zu machen. Ruts Gegenwart löst in Vinga ein elektrisierendes  „Kitzeln und Flattern“ aus. Auch Rut fühlt sich von Vinga angezogen – zwischen beiden entsteht schnell mehr als eine bloß zufällige Notgemeinschaft.

Dieses leise, feinfühlige Buch macht Mut, sich widersprüchlichen Gefühlen von Liebe und Selbstbehauptung zu stellen. Es weckt die Neugier auf Kräfte, die unter der Oberfläche verborgen sind und ist nicht nur für Jugendliche, sondern auch für Erwachsene lesenswert!

Imke Fischbeck, Fotos: privat