23. Dezember

Von Tobi Bogdanski

Die 16- jährige Florence erschießt einen alten Mann.

So beginnt der Roman im Jahr 2034.4. Ausgebildet wird Florence für den so genannten Senioren-Service der Regierung der Zukunft. Der Senioren-Service hat zur Aufgabe, ältere Menschen aus der Gesellschaft zu entfernen. Begründet wird dies mit einem allgegenwärtigen „Wilson“. Eltern sind Erzeuger, im Jargon „Erzer“ genannt und zu Ihnen besteht keine intensivere Beziehung. Jedes Mitglied der Gesellschaft ist allein auf seine wirtschaftliche Funktion beschränkt. BMWs, Beste Menschen Wesen, stellen die Elite dar. Alle werden stets überwacht von den am Handgelenk getragenen Wristpads mit Ortung und Abhörfunktion. Von der Regierung propagierte terroristische Bedrohung, Kriege und ständige Verschwörungen dienen zusätzlich zur Rechtfertigung der unzureichenden Nahrungsmittelversorgung im „Wilson“-Land.

Sehr spannend geht es um die Verfolgung Flüchtiger und Widersacher im Senioren-Service. Ein Zufall, plötzliche Liebe, führt zum Umdenken und ab dann gibt es Hoffnung auf Veränderungen. Dieser abrupte Wechsel überzeugt nicht ganz. Die Kraft der Liebe wird als alleinige Quelle jeden Widerstands gegen den Totalitarismus überhöht. Unerwartet und offen endet dieser facettenreiche (Liebe, Flucht, Eltern-Kind-Beziehung, Systemtreue, Widerstand, Vergänglichkeit des Menschen) Roman. Fesselnd, auch wenn nicht immer stringent erzählt.

Zum Buch: „1984.4“ von Philip Kerr ist als gebundene Ausgabe bei Rowohlt erschienen.