11. Dezember

Von Leonie Seeliger

In der Weihnachtszeit sind Süßigkeiten gesetzt. Erfreulicherweise setzt sich in den zurückliegenden Jahren mehr und mehr fair gehandelte Schokolade durch, die als Rohstoff teurer ist, deren Produktionsbedingungen aber keine Menschenleben kosten. Damit sind wir schon im Roman „Blut und Schokolade“. Ein aufwühlendes Buch, das seine Leserinnen und Leser berechtigt vorwarnt: Einige Szenen beruhen auf wahren Begebenheiten.

Manal, 18 Jahre alt, unternimmt nach dem Abitur eine Reise an die Elfenbeinküste, um dort ihren Onkel Mamadou zu besuchen. Er bestreitet als Farmer sein Auskommen, was ganz gut klappt. Einen Volltreffer landet Manal mit ihrem Gastgeschenk. Sie hat edle Schokopralinen mitgebracht aus der Confiserie, in der sie Zuhause in Berlin jobbt. Mamadou und seine Frau staunen, was aus ihrer Schokolade wird. Denn wo beide leben, ist auch die Schokolade daheim: Ihre Farm grenzt direkt an eine Kakaoplantage. Auf der anderen Seite des Zauns leben Issa und sein Bruder Yaya. Sie sind Arbeiter auf der Plantage, Yaya, obwohl er erst neun Jahre alt ist. Ihre Familie ist so arm, dass beide ihre Arbeitskraft an den Besitzer der Plantage verkauft haben. Dessen Sohn Yves entpuppt sich als gieriger, herzloser Machtmensch. Heimlich will er das Gelände der Plantage vergrößern und lässt die Kinder nachts Wald roden. Dabei passiert ein Unfall.

Manal stolpert zufällig aus ihrer heilen Welt in die schmerzhafte Realität der Brüder. Als Yaya die Flucht gelingt, wird die junge Frau auf die Vorfälle auf der Plantage aufmerksam – und fasst einen Entschluss.

Die berührend erzählte Geschichte der Kinder und ihre Schicksale auf der Plantage sind dem Autor Peer Martin sehr gelungen. Zusätzlich flicht er in Rückblenden die Geschichte von Manals Vater ein, eines Schriftstellers, der die Kolonialzeit in Afrika recherchiert hat und das Verhältnis von „Blut und Schokolade“ in seiner Familie nachzeichnet. Das macht aus dem ohnehin sehr dichten Buch noch mehr, benötigt dafür aber auch geübte Leserinnen und Leser, die 450 Seiten lang konzentriert den Figuren zu folgen bereit sind, ohne sich zu verzetteln. Ich gebe zu, so spannend ich den Roman fand, so langatmig kam er mir bisweilen vor. Jungen Erwachsenen ab 16 Jahren, die sich mit dem Erbe der europäischen Kolonialzeit und der Kapitalismuskritik auseinandersetzen möchten, empfehle ich das Buch aber unbedingt weiter. Gerne hätte ich erfahren, ob der Schriftsteller Pieter Sonnentau im Buch und der Autor Peer Martin in Beziehung stehen, etwa einer des anderen Alter Ego ist.

Peer Martin, „Blut und Schokolade“, ist im September 2021 als gebundene Ausgabe im Dressler-Verlag erschienen.